Nach 50-jähriger Okkupation errang das lettische Volk 1991 seine Unabhängigkeit. Seit 1989 bin ich dem Land verbunden.
Rede bei der Jubiläumsfeier zum
80-jährigen Bestehen der Lettischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. im Lettischen Centrum in Münster am 21.11.2025
Winfried Nachtwei (www.facebook.com/winfried.nachtwei )
Guten Tag meine Damen und Herren. Liebe Freundinnen und Freunde,
vielen Dank, dass ich als ehemaliger Geschichtslehrer und Bundestagsabgeordneter, der seit 1989 mit Lettland/Riga verbunden ist, zu Ihnen sprechen darf.
Die Lettische Gemeinschaft in Deutschland wurde am 15. August 1945 gegründet. Wenige Monate vorher waren fünf Jahre Krieg zu Ende gegangen. Lettland verlor 30% seiner Bevölkerung, über 600.000 von zwei Millionen Menschen durch Massenvernichtung, Kriegshandlungen, Deportationen und Flucht. Aber das Kriegsende brachte keinen Frieden. Es folgten 45 Jahre einer zweiten sowjetischen Okkupation, während der am 25.03. 1949 über 48.000 Menschen in die Lager des stalinistischen GULAG deportiert wurden.
Die Lettische Gemeinschaft in Deutschland entwickelte in den schweren Nachkriegsjahren die Kraft und den langen Atem, für den Zusammenhalt der geflohenen Letten in Westdeutschland für den Erhalt ihrer Kultur, Sprache und Identität zu arbeiten. Nach 50 Jahren krasser Gewaltherrschaften trug die Lettische Gemeinschaft in Deutschland zum irdischen Wunder der gewaltfreien Unabhängigkeit Lettlands bei. Seitdem kann sie beim Aufbau des freien Lettland im demokratischen Europa mitwirken. Als im Jahr 2018 in Münster den baltischen Staaten der Internationale Preis des Westfälischen Friedens verliehen wurde, waren auch Sie mitgemeint!
Ich muss gestehen: In meiner ersten Lebenshälfte gehörte ich in Westdeutschland zu denjenigen, die die Verhältnisse ostwärts kaum zur Kenntnis nahmen. Immer Mal wieder fanden vorm Münsteraner Rathaus Kundgebungen mit baltischen Nationalfahnen statt, die wir als Friedensbewegte, Grüne und Linke eher skeptisch beäugten.
Im Juli 1989 zog es meine Frau Angela und mich ins – noch sowjetische Riga. „Im Osten viel Neues!“ Eine breite Unabhängigkeits- und Umweltbewegung. Vorher hatte ich zudem erfahren, dass die ersten Judendeportationen aus Münster und dem Münsterland Ende 1941 in das „Reichsjudenghetto“ im deutsch-besetzten Riga gegangen waren. So begann meine Spurensuche und Erinnerungsarbeit zum Rigaer Ghetto, die 2000 in die Gründung des Deutschen Riga-Komitees mündete. Die anfangs 13 Mitgliedsstädte sind inzwischen auf über 80 angewachsen – ein in Deutschland einzigartiges Erinnerungsnetzwerk. Die Spurensuche zum deutschen Okkupations-terror ging von Anfang an mit Sympathie für die lettische Unabhängigkeitsbewegung einher. Im Februar 1991 spitzte sich der Kampf um die Unabhängigkeit der baltischen Länder zu, in Vilnius, in Riga, wo Moskau OMON-Spezialeinheiten einsetzte und 100.000 auf die Straße gingen, um wichtige Gebäude zu schützen. Für den Münsteraner Grünen-Vorstand verfasste ich einen Aufruf „Über den Golfkrieg nicht das Baltikum vergessen!“ Beim Baltischen Aktionstag sprach ich an diese4m Ort zum Thema „Warum sich deutsche Jugendliche für das Baltikum interessieren sollten“.
Im Jahr 1993 wurde das Okkupationsmuseum in Riga gegründet. Sie, Herr Professor Nollendorfs, waren an der Gründung und sind bis heute an der Weiterentwicklung des Museums seit über 30 Jahren maßgeblich und führend beteiligt. Die vorzügliche Ausstellung des Okkupationsmuseums brachte mir die wechselhafte, komplizierte Okkupationsgeschichte Lettlands immer näher. Immer mehr verstand ich vor diesem Hintergrund die Bedrohungswahrnehmung und reale Bedrohungslage der baltischen Staaten – und die Lehren, die dort aus traumatischen historischen Erfahrungen gezogen wurden.
„Nie wieder Krieg!“ ist völlig richtig und notwendig. Aber das reicht nicht, ist nur ein Wunsch. Der Wunsch muss einhergehen mit dem Willen, „nie mehr wehrlos, nie mehr allein!“ In Deutschland, das muss ich feststellen, ist diese europäische Lehre nicht Allgemeingut! Das muss sie aber werden, wenn wir weitere Aggressionen in Europa verhindern und Frieden zurückgewinnen wollen. Deutschland trägt hierfür eine besondere Friedens- und Sicherheitsverantwortung. In Deutschland haben wir allen Grund, von unseren Verbündeten im Osten und Norden zu lernen!
Der Lettischen Gemeinschaft in Deutschland nochmals kräftig-herzlichen Dank für Ihr Wirken!
Und herzliche Grüße von Janis!
(Eine Woche zuvor fand in der Studiobühne Münster eine Veranstaltung des OsteuropaForums zur Geschichte und Sicherheitslage der baltischen Staaten am Beispiel Lettlands statt. Geert Franzenburg führte als „Janis“ (Jg. 1935, geb. in Lettgallen, 1945 nach Westdeutschland geflohen, Schüler des Lettischen Gymnasiums in Münster, Rückkehr nach Lettgallen 1991) einen „inszenierten Dialog“ mit mir, der inzwischen 27 Mal Riga besucht hat.)
ANHANG
Warum sich deutsche Jugendliche für das Baltikum interessieren sollten
Beitrag von Winni Nachtwei auf dem Baltischen Aktionstag am 9. Februar 1991 im Lettischen Zentrum in Münster
„Alle schauen zum Golf … vergesst uns nicht!“ Nachdem ich seit Monaten bei so vielen Veranstaltungen und Kundgebungen zum Golfkrieg geredet habe, spreche ich jetzt besonders gern zum Baltikum!
Warum sollten sich deutsche Jugendliche, warum sollte sich die jüngere Generation für`s Baltikum interessieren?
Auch wenn ich inzwischen im „Mittelalter“ gelandet bin – das Verhältnis, das ich lange Zeit zum Baltikum hatte, war nicht untypisch für die jüngere Generation: ein „Nicht-Verhältnis“. Erst in jüngerer Zeit ergaben sich mir erste Kontakte, woraus eine intensive „Beziehung“ geworden ist.
Woher kommt diese Distanz in großen Teilen der jüngeren Generation, vor allem auch in der Friedens- und Ökologiebewegung?
Eigenartig! Seit ich genauer hinhöre, fällt mir auf, wie viele jüngere Deutsche familiäre Wurzeln im Baltikum haben. Mir fiel plötzlich in der Stadtbücherei das Bild der „Großen Gilde/Stube von Münster“ auf – und in der Großen Gilde in Riga das Münsteraner Stadtwappen über dem Haupteingang. Seit mehr als 700 Jahren gibt es eine gemeinsame Geschichte zwischen Deutschen und den Menschen im Baltikum, oft schmerzhaft, aber auch bereichernd. Jahrhundertelang war das Baltikum die Nahtstelle zwischen Deutschland und Russland, Brücke oder Einfallstor. Diese gemeinsame Geschichte ist gerade Jüngeren weitgehend unbekannt.
Es lag vor allem an uns Lehrern und Schulhistorikern, dass das geschehen konnte. Vom westeuropäischen Kolonialismus wissen wir, dass unterworfenen Völkern ihre Geschichte zu nehmen ein zentrales Herrschaftsmittel war. Beim russischen und Sowjetkolonialismus sahen wir darüber weg! Warum dieses Abfinden mit den „Realitäten“, warum diese Einäugigkeit gerade bei solchen, denen die nationale Selbstbestimmung anderswo auf der Welt als hohes und unterstützenswertes Ziel gilt?
Den einen passte es nicht in ihren „Realismus“. Und es passte schlichtweg nicht ins politisch-weltanschauliche Wahrnehmungsraster von Linken, die der Sowjetunion – auch wenn sie ihr nicht anhingen – immer besonders viel Verständnis und Verdrängung entgegenbrachten, einen „Links-Bonus“. Wer die Politik der UdSSR beharrlich kritisierte, stand schnell unter „Rechtsverdacht“. (Wir Grüne haben das immer wieder zu spüren bekommen) Wer gar als Exilierter hie politisch auftrat, galt schnell als „Antikommunist“ und „Nationalist“, wurde als „Reaktionär“ abgetan. (Umgekehrt wurde die Friedensbewegung von Exilierten pauschal als „naiv“ und „moskauhörig“ wahrgenommen) Ignoriert wurde, dass jeder von der eigenen historisch-politischen Erfahrung geprägt ist, dass Haltungen zur Sowjetunion, zum Nationalen bei kritischen jungen Deutschen selbstverständlich andere sind als bei Angehörigen von Völkern des Sowjetimperiums.
Wenn wir diese unterschiedlichen Erfahrungswelten berücksichtigen, werden sich damit nicht alle Widersprüche und Vorbehalte auflösen. Aber damit ist zumindest der erste notwendige Schritt zu Verständigung, Dialog und Unterstützung getan.
Im Sommer letzten Jahres erlebten wir den Vorabend des 17. Juni, des 50. Jahrestages des sowjetischen Einmarsches, in Riga: Die vielen Gruppen, die zur Freiheitssäule zogen, dort Blumen biederlegten und sangen. Wir sahen das Blumenmeer, wir besuchten die Ausstellung über die stalinistischen Deportationen. Wir spürten: Die Erinnerungen sind noch frisch, die Wunden von Jahrzehnten der Unterdrückung und Fremdbestimmung sind noch offen. Wir wussten und fühlten: Das Streben der baltischen Völker nach Freiheit und Unabhängigkeit ist selbstverständlich gerechtfertigt.
Es zu unterstützen, ist gerade für Deutsche eine Verpflichtung.
Der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 bereitete der sowjetischen Expansion von 1940 den Weg: 1941-1944/45 hielten deutsche Truppen das Land besetzt, wurden in deutschen Namen schlimmste Verbrechen begangen. Ich erinnere nur an die Massaker von Rumbula. (Hier wurden am 30. November und 8. Dezember 1941 28.500 lettische Jüdinnen und Juden ermordet) Diese deutsche historische Verantwortung gegenüber dem Baltikum zu erkennen und wahrzunehmen, ist der erste Grund, warum sich jüngere Deutsche für das Baltikum interessieren und engagieren sollten.
Der zweite Grund
Die baltischen Staaten haben nur wenige Millionen Einwohner. Auf den ersten Blick scheinen sie nicht besonders bedeutend zu sein.
Doch ihre Menschen waren Vorreiter de demokratischen Bewegungen in der gesamten Sowjetunion. Vorbildlich der baltische Weg, Freiheit und Unabhängigkeit strikt gewaltfrei anzustreben, vorbildlich die Verbindung mit dem Kampf gegen die Umweltzerstörung. Bewundernswert, was die Menschen im Baltikum gegenüber einer starren und brutalen Diktatur schaffen konnten., Ich sehe vor mir diesen Gegensatz: Das riesige Pressezentrum auf dem anderen Daugava-Ufer als Symbol der alten Macht, dagegen der Sitz der Volksfront in einem relativ kleinen Altstadthaus. Wer die Demokratisierung der UdSSR will, wer die demokratischen Kräfte stärken will, muss das vor allem im Baltikum tun. Die Auseinandersetzung dort hat exemplarische Bedeutung für die ganze Sowjetunion!
Der dritte Grund
Im Sowjetimperium stehen die Zeichen auf Sturm, sind die Kräfte des alten Systems im Vormarsch, Kriegsrecht und Bürgerkrieg drohen.
Bei meinen historischen Nachforschungen zur Nazi-Zeit lernte ich es, bei der Bewegung gegen den Golfkrieg erfuhr ich es erneut: Immer wieder kommen Protest und Widerstand zu spät. Die Lehre aus der Geschichte, die Lehre aus der andauernden Umweltzerstörung ist:
Rechtzeitig hinsehen, rechtszeitig was tun!
Je mehr internationale Unterstützung die demokratischen Bewegungen im Baltikum jetzt erfahren, desto schwerer werden „Gewaltlösungen“, desto weniger wird es eine Eskalation von Nationalismus, Extremismus und Gewalt geben. Es darf nicht sein, dass erst dann breiter internationaler Protest erfolgt, wenn es auch im Baltikum zu spät ist!
Gerade die Friedensbewegung darf sich nicht an das offensichtliche Stillhalteabkommen zwischen Sowjetunion und US-Regierung halten, den jeweils anderen gewähren zu lassen – im Baltikum, am Golf.
Die legitimen und legalen Bestrebungen der baltischen Völker nach Freiheit und Unabhängigkeit dürfen nicht einer vermeintlichen Stabilität der Sowjetunion geopfert werden. Eine solche „Friedenspolitik“ ist kurzsichtig: Sie setzt auf Bewahren eines Kolonialreiches, das nicht zu bewahren ist; sie verschiebt Lösungen auf „später irgendwann“, wenn Lösungen immer schwerer, immer riskanter werden.
Wo aber Regierungen nach ihrem Kalkül handeln, wo Regierungshandeln auch seine Grenzen hat, da sind besonders die Bürgerinnen und Bürger gefordert:
Unterstützung muss ganz besonders von unten kommen!
Es geht im Baltikum nicht zuletzt um die Frage, ob Europas Chancen für eine friedliche Zukunft bewahrt oder wieder verschüttet werden.
Deshalb gerade nach draußen der Appell:
Vergesst über den Golfkrieg das Baltikum nicht!
Es geht dort auch um unsere Zukunft!
Pressemitteilung vom 6. Februar 1991
„Über den Golfkrieg nicht das Baltikum vergessen!“
Mit diesen Worten ruft der Vorstand von GAL/GRÜNEN die Münsteraner Bürgerinnen und Bürger zum Besuch des „Baltischen Aktionstages“ am kommenden Samstag, 9. Februar, im Lettischen Zentrum, Salzmannstr. 152m, auf.
„Die Massenproteste der Friedensbewegung konnten den Beginn des großen Krieges am Golf nicht mehr verhindern, sie kamen zu spät. Es darf nicht sein“, so Winni Nachtwei von der GAL, „dass erst dann internationaler Protest erfolgt, wenn es auch im Baltikum zu spät ist, wenn dort möglicherweise Bürgerkrieg und Kriegsrecht herrschen. Gerade die Friedensbewegung darf sich nicht an das offensichtliche Arrangement zwischen Sowjet- und US-Regierung halten, den jeweils anderen gewähren zu lassen – im Baltikum, am Golf. Der Baltische Aktionstag mit seinem reichhaltigen Programm bietet die einmalige Gelegenheit, sich über die aktuelle Situation im Baltikum authentisch zu informieren und Solidarität mit den Menschen in Lettland, Estland und Litauen zu üben.“ (Die Pressemitteilung wurde in keiner Lokalzeitung veröffentlicht)
Besuch im Museum der lettischen Volksfront, April 2015 (aus: W.N., Gespaltene, traumatische Erinnerungen, Rückkehr von Abschreckung und Kaltem Krieg? Erinnerungs- und sicherheitspolitische Beobachtungen in Riga, April 2016, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1363 )
Anfang der 90er Jahre besuchten wir das Zentrum der Volksfront in der Altstadt: ein emsiges Gewusel. Jetzt bin ich an einem Montag der einzige Besucher in dem über alle Etagen gehenden Museum.
Erste Proteste entzünden sich in der Sowjetunion 1986 nicht an politischen Themen im engeren Sinne, sondern an Umwelt- und Kulturstreitfragen: z.B. um das Projekt eines Wasserkraftwerk in Daugavpils. Wälder sollten gerodet, Bevölkerung umgesiedelt werden, nach dem Nutzen hatte niemand gefragt. Ein Artikel „Nachdenken über das Schicksal der Düna“ in der Zeitschrift „Literatur und Kunst“ brachte den Stein ins Rollen. Erstmals kam es in der Sowjetunion zu öffentlichen Protesten. 1987 wurden die Arbeiten gestoppt. Das wirkte ermutigend. Oder die Konflikte um eine künftige U-Bahn in Riga oder den Betrieb veralteter Papierfabriken und ihrer Abwässer. In Libau entstand die Menschenrechtsgruppe Helsinki-86. Anfang 1987 gründete sich der „Klub zur Verteidigung der Umwelt“ (VAK). Im November 1988 findet in der Skolas iela der erste Kongress der Gesellschaft für jüdische Kultur statt. Die Nr. 48 von „Literatur und Kunst“ handelte über Juden in Lettland. Ende der 80er Jahre gründete sich auch der „Verein der ehemaligen jüdischen Ghetto- und KZ-Häftlinge Lettlands“ (LEGU).
Am historischen Datum des 23. August 1987 organisierte Helsinki-86 eine erste Großdemonstration zum Gedenken an die Deportationen vom 14. Juni 1941 am Freiheitsdenkmal. Am 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes bildeten 1989 – also noch zur sowjetischen Zeit – über zwei Millionen Menschen eine Menschenkette über 670 km von Talinn über Riga nach Vilnius. Am 71. Jahrestag der lettischen Unabhängigkeitserklärung am 18. November 1988 demonstrierten in Riga rund 500.000 Menschen. Bei erstmals freien Wahlen zum Obersten Rat der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik erreichten Kandidaten der Volksfront die absolute Mehrheit.
Am 4. Mai 1990, vor genau 25 Jahren, erklärte der Oberste Rat der LSSR die Wiederherstellung der lettischen Unabhängigkeit. Die UdSSR versuchte den Unabhängigkeitsprozess durch Drohungen, Boykottmaßnahmen, schließlich auch durch die Besetzung wichtiger Gebäude zu stoppen – erfolglos. In Riga bewachten rund 100.000 Menschen die an wichtigen Punkten errichteten Barrikaden. In Sichtweite des jetzigen Okkupationsmuseums erinnern fünf Gedenksteine an die damals Erschossenen.
Mavrik Vulfson, führender Journalist, war zur sowjetischen Zeit der erste, der von der ersten Okkupation 1940 sprach. Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Aufdeckung des Originals des Hitler-Stalin-Paktes Der früher „lettischer Bärentöter“ Genannte, ist heute weitestgehend vergessen.
Der Unabhängigkeitsprozess der baltischen Staaten war ein historischer Sieg des gewaltfreien Widerstandes einer ganzen Gesellschaft – trotz sowjetischer Wirtschaftsblockade, Drohung mit Militärintervention und gewaltsamem Vorgehen der OMON-Spezialeinheiten. Begünstigt wurde dieser Sieg durch die strategische Schwäche der Sowjetunion und den Reformkurs von Michael Gorbatschow. Ab 1993 bis Ende 2001 unterstützten OSZE-Missionen Estland und Lettland bei der Integration ihrer starken russischsprachigen Minderheiten. (Dazu Sabine Machl im OSZE-Jahrbuch 2002, hg. vom IFSH, http://ifsh.de/file-CORE/documents/jahrbuch/02/Machl.pdf ) Der Unabhängigkeitsprozess im Baltikum hätte auch ganz anders verlaufen und in einen Gewaltkonflikt münden können.
Am 30. Juni wurde bekannt, dass die russische Generalstaatsanwaltschaft auf Antrag von zwei Duma-Abgeordneten die Rechtmäßigkeit der Anerkennung der Unabhängigkeit der baltischen Staaten durch den Staatsrat der UdSSR in 1991 prüft. (http://baltische-rundschau.eu/politik/russland-prueft-legalitaet-der-unabhaengigkeit-der-baltischen-staaten/ )
Zum Okkupationsmuseum
Besuch im Lettischen Okkupationsmuseum im Juli 2022 / August 2023: Lektionen für die Gegenwart, 2022/23, https://domainhafen.org/2023/08/23/besuch-im-lettischen-okkupationsmuseum-lektionen-fuer-die-gegenwart/