Meine Friedenswochen November – Dezember 2025: Übersicht meiner friedens- + sicherheitspolitischen Aktivitäten

Fortsetzung meiner früheren Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (seit 2003)

Meine Friedenswochen November – Dezember 2025 Aktivitäten zur Bedrohungslage + Wehrhaftigkeit, Streit um Pflichtdienste, Baltikum, Erinnerungsarbeit, Friedensdenkschrift der EKD, Demokratieverteidigung, AA-Strukturreform u.a., Winfried Nachtwei

Meine Friedenswochen August – Ende Oktober 2025, https://domainhafen.org/2025/12/21/meine-friedenswochen-august-oktober-2025-veranstaltungen-aktivitaeten-beitraege-zu-friedenssicherung-wehrhaftigkeit-krisenpraevention-erfahrungslernen/

Meine Friedenswochen Juni/Juli 2025, https://domainhafen.org/2025/07/16/meine-friedenswochen-im-juni-juli-2025-veranstaltungen-veroeffentlichungen-u-a-aktivitaeten/

03./04.11. „Nachholbedarf? Zivilschutz in der neuen Legislatur“, Tagung in der Evangelischen Akademie Loccum: 1. Panel „Kein Frieden, aber noch nicht Krieg – Hybride Bedrohungen für Deutschland“. Mit Stella Guisnet, BMI HIII4, Isabelle Linde-Frech, Fraunhofer-Institut Euskirchen, Oberst i.G. Sönke Marahrens, Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr; 2. Panel: „Nachholbedarf? Was sind die zentralen Stellschrauben für die Gesamtverteidigung und zivile Verteidigung von morgen?“ Daniel Decker, Landeskommando Niedersachsen, Lena Dupont, MdEP (Christdemokraten), Marco Trips, Nieders. Städte- und Gemeindebund; 3. Panel: „Blick über den Tellerrand: Was können wir in puncto Zivilverteidigung und Resilienz von unseren europäischen Nachbarn lernen?“ Simon Aebe, Risk and Resilience Team, Center for Security Studies, ETH Zürich, Oksana Huss, Research Center Trustworthy Data Science + Security an Uni DU-E (Mitorganisatorin ReLoaD-Programm zur lokalen Regierungsführung + Dezentralisierung in der Ukraine, Institut für Europäische Politik/Essen („Ukrainer:innen kämpfen nicht für den Staat, sondern für Selbstbestimmung und ums Überleben“, „die UKR war auf die Großinvasion nicht vorbereitet“, entscheidend war schnelle Anpassungsfähigkeit, Dezentralisierung, Rolle von Zivilgesellschaft, „Ukraine Land der Gemeinden“!)

Plenarer Zwischenruf: „Pakt für die Gesamtbevölkerung – wie gelangen wir zu einer allgemeinen Resilienz-Kultur in Deutschland?“ Thomas Kox, Weizenbaum-Institut Berlin, Marco Krüger, Intern. Zentrum für Ethik in der Wissenschaft / Uni Tübingen, Maike Vollmer, Fraunhofer-Institut Euskirchen. Parallele Foren: meines „Wie gelingt zukünftig die Personalgewinnung für den Zivilschutz?“ Olaf Kapke, Präsident Landesfeuerwehrverband Nds., Johanne Peter, Leitung Bevölkerungsschutz, Arbeiter-Samariter-Bund, Michael Sieland, DRK NRW, Delegierter des DRK beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (erfahrungsstarke leitende Praktiker!) (keine Teilnahme an weiteren vier Foren wg. Anschlusstermin)

Verabschiedung von Pfarrer Dr. Jochen Motte aus dem Dienst der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) in der Unterbarmer Kirche / Wuppertal: Er war für das Forum Menschenrechte Mitglied des Beirats Zivile Krisenprävention und Friedensförderung der Bundesregierung von Anfang an (2005). Bei der VEM war er seit 1992 tätig, im Forum Menschenrechte seit 1994 für die VEM, 2008 Berufung zum stellv. VEM-Generalsekretär. Abschieds- und Dankesworte von leitenden Vertreter:innen der VEM, der Evangelischen Landeskirche im Rheinland, vielen Wegbegleiter:innen, Bodo von Borries als Ko-Sprecher des Beirats ZKP.

06.11.: Vereinbarter Besuch des „Grünen Gedächtnis“, dem zur Heinrich Böll Stiftung gehörenden Archiv von Bündnis 90/Die Grünen, in der Eldenaer Str. 35 in Berlin Friedrichshain. Thema: Künftige Übergabe meiner erheblichen Archivbestände („Vorlaß“) aus mehr als 45-jähriger politischer Arbeit vor allem in Friedens- und Sicherheitspolitik, Erinnerungsarbeit außerparla-mentarisch, im Bundestag, in ehrenamtlichen Engagements. Zweistündiges Gespräch mit vier Mitarbeiter:innen, die über meine siebenseitige Übersicht „Archivbestände von Winfried Nachtwei“ sehr erleichtert und sehr an meinen Beständen interessiert sind. Bis 2009 bin ich schon Archivgut. Bei der Führung durch einige Archivräume begegnen mir in den Regalen viele frühere Kolleg:innen.

Bundeswehr-Tagung (früher Kommandeur-Tagung, nichtöffentlicher Teil): Empfang am Abend im Palace-Hotel am Breitscheidplatz: Begegnung mit vielen seit langem bekannten Offizieren und Generalen.

07.11. Medienöffentlicher Teil der Bundeswehr-Tagung Multireligiöses Gebet mit dem evangelischen und katholischen Militärbischof und dem jüdischen Militärrabbiner: Der katholische Bischof Franz-Josef Overbeck findet sehr deutliche Worte zur ideologischen Aufladung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Dem russischen Volk werde ein Narrativ vermittelt von einer „großen historischen Mission“, ein „messianisches Selbstbild.“ Patriarch Kyrill habe die Invasion als „metaphysischen Kampf bezeichnet, um Gut und Böse, um den „Platz an Gottes Seite“. Im März 2024 erklärte das Moskauer Patriarchat den Krieg offiziell zum „Heiligen Krieg“, Verteidigung traditioneller Werte gegen einen gottlosen Westen, die ultimative Verkörperung des Bösen – eine Kreuzzugsmentalität.

Video-Botschaft des Bundeskanzlers

Impulsvortrag von Generalinspekteur Breuer zur Bedrohungslage (auch Arktis, Weltraum, Cyber-space, Globaler Süden – „das Ganze sehen), zum Kriegsbild der Zukunft (multidimensional, fast vollständige Transparenz des Gefechtsfeldes, …), Konsequenzen für die Bundeswehr.

Impulsvortrag von Generalleutnant Alexander Sollfrank, Befehlshaber des Operativen Führungs-kommandos

Panel zur Weiterentwicklung der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit mit Parlamentarischen Staatssekretären von BMVg und BMI und dem Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses

Abschlussrede von Verteidigungsminister Boris Pistorius: Bedrohungslage, Frieden nur durch glaubwürdige Abschreckung zu schützen; Stärke und Verteidigungsbereitschaft entscheiden, ob ob wir unser Zusammenleben selbst bestimmen – oder ob am Ende andere über uns bestimmen. 72% der Weltbevölkerung leben inzwischen in illiberalen autoritären Systemen. USA nicht mehr der Sicherheitspfeiler; Zusammenhalt in Europa besorgniserregend. Führungskultur + Haltung (…); Gesamtverteidigung + Infrastruktur; Aufwuchs gestalten – Perso-nal. Ungewöhnlich: Der Minister erteilt GI + Staatssekretären mehr als zehn Beauftragungen mit Termin.

08.11. Interviewgespräch mit Markus Bickel, Redaktionsleiter des Security Table-Newsletters bei Table Media, in der Brotmeisterei Steinecke zu friedens- und sicherheitspolitischem Erfahrungs-lernen und Umdenken (Bickels frühere Stationen als Auslandskorrespondent Sarajevo, Beirut, Kairo, für FAZ, Spiegel Online, Zeit, Standard, Amnesty International; 2017 „Die Profiteure des Terrors“ zu Rüstungsexporten)

12./13.11. Teilnahme an der Heidelberger Konsultation zur Friedensethik „“Welt in Unordnung“ – Reflexionen zur neuen Friedensdenkschrift der EKD. (Beschlossen auf der Synode am 10.11.; unsere Konsultation ist die erste Diskussionsrunde über die fertige Denkschrift mit Externen)

– Vorstellung der Denkschrift und des Erarbeitungsprozesses, Militärdekan Dr. Dirck Ackermann

– Zur theologischen Grundlegung, Prof. Marco Hofheinz

– Reflexion der Neuakzentuierung, Prof. Thomas Hoppe

– Welt im Umbruch – Friedensethische Herausforderungen, aktuelle Entwicklungen, Dr. Matthias Deminski, Peace Research Institute Frankfurt / PRIF (HSFK)

– Krise der regelbasierten Ordnung und der Ansatz „Frieden durch Recht“, Prof. Stefan Oeter

– Alte Fragen – neue Antworten? Das Dilemma der nuklearen Abschreckung, Dr. Ines-Jacqueline Werkner, Organisatorin und Moderatorin der Konsultation

– Erste Resonanzen aus

– Militärischer Perspektive, Generalmajor Ansgar Meyer, Kommandeur des Zentrum Innere Führung der Bundeswehr, vorher des KSK, davor letzter deutscher Kommandeur des Train Advice Assist Command North von Resolute Support + dt. Kontingentführer.

– Politische Perspektive: Winfried Nachtwei (neben wichtigen grundsätzlichen Zustimmungen benenne ich zentrale Defizite). Die Beiträge werden in der epd-dokumentation veröffentlicht.

19.00 Uhr Zur Geschichte der baltischen Staaten und zur sicherheitspolitischen Lage, Beispiel Lettlandin der Studiobühne Münster, Idee von Pfarrer Dr. Geert Franzenburg (Vorsitzender des Evangelischen Forums Münster und Osteuropareferent des Kirchenkreises) mit Geert Franzenburg als „Janis“ im „inszenierten Dialog“ mit W. Nachtwei, Begrüßung durch Prof. Ricarda Vulpius (Lehrstuhl für Osteuropäische und Ostmitteleuropäische Geschichte, Direktorin des Historischen Seminars) und Gudrun Wolff (Veranstalterin, OstEuropaForum Münster):  Die zwei Perspektiven – Janis, geb. 1939 in Lettgallen, 1945 mit Familie nach Westen geflohen, Schulbesuch Lettisches Gymnasium, wohnhaft in Münster, mit Unabhängigkeit zurück nach Lettgallen, Winni 1989 erstmalig in Riga, dann immer wieder dort wg. Spurensuche zum Ghetto, Begegnung mit Unabhängigkeitsprozess etc., – im lebendigen Gespräch. Das Format kommt im vollbesetzten Saal sehr gut an. Arnis Drille, der Vorsitzende der Lettischen Gemeinschaft in Deutschland, bedankt sich besonders herzlich, dass die heutige Veranstaltung als Geschenk gedacht ist für das 80-jährige Jubiläum der Gemeinschaft in einer Woche.

Freudige Begegnung mit Prof. Valters Nollendorfs und seiner Frau Aija Ebden. Der heute 94-Jährige war am Kriegsende mit Familie in den Westen geflohen, im Münsterland aufgewachsen und und dann mit den Eltern in die USA emigriert, wo er Professor für Germanistik wurde. An der Entwicklung des Okkupationsmuseums in Riga war und ist er vom Anfang bis heute führend beteiligt.

16.11. Zum Volkstrauertag: Kranzniederlegung am Ehrenmal der Bundeswehr am Bendlerblock für die Toten und Gefallenen der Bundeswehr. Hier kommen vor allem viele Hinterbliebene zusammen. Ansprache von Generalinspekteur General Carsten Breuer. Jetzt spüren die meisten Anwesenden den Schmerz an ihre im Dienst getöteten und gefallenen Nächsten, erinnern sich an sie. Diese Gedenkveranstaltung geht besonders nahe.

13.30 Uhr Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Plenarsaal des Bundestages (Direktübertragung in der ARD) mit Bundespräsident, Bundestagspräsidentin, Bundeskanzler, Präsident des Bundesverfassungsgericht und dem Ehrengast, dem italienische Staatspräsidenten Sergio Mattarella. Mein Post auf Linkedin am 20.11.: Notwendig, bewegend, überzeugend: Die zentrale Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Bundestag mit dem italienischen Staatspräsidenten, vier jungen Engagierten aus Italien + Deutschland, dem Präsidenten des Volksbundes und dem Bundespräsidenten. Die Reden auf www.domainhafen.org mit allen Links. Erinnerungen an das Grauen des Krieges + die Millionen Opfer mündet in gemeinsame Friedensverantwortung, wo Friedensfähigkeit Wehrhaftigkeit einschließen muss. Bei unseren nordöstlichen Nachbarn ist im kollektiven Gedächtnis eingebrannt, dass zum sehr richtigen „Nie wieder Krieg!“ unbedingt auch „Nie wieder wehrlos, nie mehr allein!“ gehört. Diese elementare europäische Erfahrung ist in Deutschland viel zu wenig präsent.

17.11., 17.00 Uhr Besuch der AG Sicherheit des grünen KV Koblenz + fünf Mitgliedern der AG Bundeswehr beim Zentrum Innere Führung in Koblenz, dreistündiges Informationsgespräch und Aussprache.

20.11. Virtuelle (54.) Sitzung der AG Bundeswehr in der BAG Frieden & Internationales der Grünen mit MdB Niklas Wagener zu Wehrdienst und Gesellschaftsdiensten im Hinblick auf die Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in einer Woche in Hannover.

21.11. Jubiläumsfeier zum, 80-jährigen Bestehen der Lettischen Gemeinschaft in Deutschland im Lettischen Zentrum in Münster (bis 1991 galt MS als Hauptstadt der Exilletten im Ausland): Begrüßung durch den Vorsitzenden Arnis Drille und den neuen Oberbürgermeister Tilman Fuchs. Nach ihm spricht Maija Bilsena, Beraterin der Diaspora-Gruppen im Lettischen Außenministerium, dann ich als langjährig (seit 1989) mit Lettland verbundener Politiker. Weitere Reden: Die Vorsitzende des Verbandes der Letten in Europa, die stellv. Vorsitzende des Weltverbandes Freier Letten, Prof. Valters Nollendorfs, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Okkupationsmuseum und Neil Ebden, langjähriger Vorsitzender Gemeinschaft. Anschließend Volkstänze von Kindern und Älteren – eine dankbare und lebensfrohe Veranstaltung, bei der mir bewusst wird, dass Riga für mich nach 27 Besuchen und zahllosen intensiven Begegnungen eine zweite Heimatstadt geworden ist.  (am 27.11. Impressionen auf www.facebook.com/winfried.nachtwei und Linkedin, meine Rede mit Rede von 1991 auf www.domainhafen.org )

)22.11. Jahresmitgliederversammlung von „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“ in der Landesvertretung des Landes Baden-Württemberg: Bei der Aussprache zum Bericht des Geschäftsführers DR. Michael Parak betone ich die große Bedeutung des Projekts „Demokratie-paten“ bei der Polizei, das in Kooperation mit „Gegen Vergessen“ bisher bei den Länderpolizeien Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen, ab 2026 auch in Bremen, Sachsen und einige Polizeipräsidien realisiert wird. ( www.demokratiestarkepolizei.de/startseite/ ) Bei der Vorstandswahl wird Prof. Voßkuhle einmütig gewählt, mit hoher Stimmenzahl auch vier Stellvertreter:innen und andere Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes sowie weitere 25 Mitglieder des Gesamtvorstandes. Z denen gehöre auch ich wieder.

Schwerpunkthema „Menschen, die sich von der Demokratie abwenden – wie diese erreichen?“ Einstieg durch Prof. Voßkuhle, von dem gerade in der SZ vom 13.11. der umfangreiche Artikel „Thorsten ist kein Nazi“ erschienen ist. Er bezieht sich auf die Bertelsmann-Studie zu den Wählerwanderungen zur AfD bei der letzten Bundestagswahl aus verschiedenen Milieus und die Neuerscheinung „Zerstörungslust – Elemente des demokratischen Faschismus“ von Carolin Amlinger + Oliver Nachtwey und formuliert drei Vorschläge. Intensive + nachdenkliche Debatte.

Am Abend Preisverleihungen: „Waltraud-Netzer-Jugendpreis“ für Schülerinnen + Schüler des Friedrich-Engels-Gymnasium Senftenberg in Brandenburg für ihr Buchprojekt #FürDemokratie-GegenExtremismus“ – sehr mutig, großes Medienecho. Der Preis “Gegen Vergessen – Für Demokratie“ für die Autorin + Zeichnerin Barbara Yelin + die Shoah-Überlebende Emmi Arbel für ihre gemeinsame Arbeit an der Graphic Novel „Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung“.  Die Preisträger:innen sind Hoffnungsträger:innen.

(Kurze Begegnung mit dem ehemaligen Bundespräsidenten und früheren Vorsitzenden von „Gegen Vergessen …“ Joachim Gauck: Er dankt mir spontan für die Rolle, die ich bei dem sicherheitspolitischen Lernprozess der Grünen gespielt hätte.)

23.11. Zum 75-jährigen Geburtstag von Lukas Beckmann Matinee „Freiheit ist kein Geschenk“ – zur Rolle + Verantwortung der Grünen in der Heinrich Böll Stiftung. (1979 gehörte Lukas zu den Mitbegründern der Grünen und war ihr erster Bundesgeschäftsführer. Er stand für Abrüstung in Ost wie West und die Unterstützung der unabhängigen Friedensbewegung und Opposition in der DDR. 1984-87 war er neben Jutta Ditfurth + Rainer Trampert einer von drei Bundesvorstandssprechern, vom 1991-2010 Geschäftsführer der bündnisgrünen Bundestagsfraktion.)

Begrüßung durch die HBS-Vorsitzenden Jan-Philipp Albrecht + Imme Scholz. Kleine bebilderte Zeitreise mit Annette Düwel-Frings (Fraktionsgeschäftsführerin), Annette Maennel (HBS Kommu-nikation) + Michael Panitz (Grünes Gedächtnis). Special Guest Schauspielerin Martina Gedeck: Lesung Texte von Petra Kelly.

Freie Rede von Lukas Beckmann. Rede von Bernd Ulrich (Journalist, ZEIT)

Fishbowl: Wo liegen heute unsere Aufgaben? u.a. mit den HBS-Vorsitzenden, Britta Haßelmann (Fraktionsvorsitende), Walter Kaufmann (HBS Ost-/Südosteuropa), Heiko Knopf (stellv. Bundes-vorsitzender), Gesa Steeger (Senior Reporterin Klima, Wirtschaft, Finanzen, Correctiv)

Zufallsbegegnung mit einer Frau, die mir mutmaßlich als Ukrainerin bekannt ist. Als ich meinen Namen nenne, umarmt sie mich. Ich hätte sie, Katja Petrowskaja, mit ihrem Mann um 2003 durch den Bundestag geführt. Nachträglich identifiziere ich sie als die ukrainisch-deutsche Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin und Journalistin Katja Petrowskaja, die öfter in Talkshows zur Ukraine auftrat, vielfach ausgezeichnet wurde und vor wenigen Monaten die Laudatio zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Karl Schlögel hielt.

24.(/25.11. 13.00 Uhr Interne Sitzung des Beirats Zivile Krisenprävention + Friedensförderung der Bundesregierung im AA: Abschied von Nora Müller (Körber-Stiftung), Barbora Sedova (PIK) und Jochen Motte (Forum Menschenrechte). Begrüßung der neuen Mitglieder Prof. Dr. Anita Gohdes (Hertie School), Nana Odoi (Geschäftsführerin FriEnt) und Dr. Jan Woischnik (Konrad-Adenauer-Stiftung / Abt. Lateinamerika).

17.30 Uhr Besuch der Veranstaltung „Zwischen Kriegsangst und Kriegstauglichkeit. Gesellschaftliche Resilienz in der Zeitenwende“ in der Konrad-Adenauer-Stiftung:

– Krieg / Medien / Gesellschaft – zur Rolle der Medien für die gesellschaftliche Resilienz mit Anna Engelke (ARD-Hauptstadtstudio), Vasssili Golod (Ukraine-Korrespondent der ARD) und OTL Michael Gutzeit (Leiter Informationsarbeit beim Zentrum Militärgeschichte + Sozialwissenschaften der Bw / ZMSBw)

– Zur Umfragestudie „Sicherheits- und verteidigungspolitisches Meinungsbild 2025“ mit Timo Graf (Sozialwissenschaftler, Autor der Studie, ZMSBw). Sein Fazit: „Wir sind stärker als wir glauben“.

Zwischen Kriegsangst und Kriegstauglichkeit“ mit Dr. Anne Gideon (Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland + der EU), Ljudmyla Melnyk (Präsidentin der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft), Thomas Röwekamp, OTL i.G. Marcel Bohnert (Dt. Bundeswehrverband)

25.11. Gemeinsame Sitzung von Beirat und Ressortkreis (AA, BMZ, BMI, BMU):

– Stand „Gemeinsame Strategie und abgestimmte Planung“ von BMZ + AA. Offenbar wieder eine Entwicklung, wo angeregt auch von den Empfehlungen der Ressort-Evaluierungen und der Enquete zu Afghanistan die Strategiefähigkeit in der Praxis verbessert werden soll. (Für mich wieder eine „positive Enttäuschung“)

– Der dt. Beitrag zum „Friedensplan für Gaza“: Input durch den Leiter des AA-Referats Nahost, ergänzt von AA S03/4, BMZ + BMI

– „Klima und Verteidigung“ mit einer Vertreterin des BMVg-Referats Pol II 1 „Klimawandel + Verteidigung“

– Bilanz des Berlin Peace Dialogue

(Am selben Tag wird einiges zur geplanten großen Strukturreform des AA bekannt, erst auf Spiegel Online, dann das Schreiben der AA-Staatssekretäre Dr. Geza Andreas von Geyr + Dr. Bernhard Kotsch: Eine neue Abt. für Sicherheitspolitik bündelt entsprechende Fachreferate + Zuständigkeiten. Die Länderbereiche sollen gestärkt, die Abt. S aufgelöst werden. Dies soll einhergehen mit einer Personalreduzierung um 8%. Eine Abt. für Sicherheitspolitik macht Sinn. Besorgnis besteht nicht nur bei mir ggb. der Auflösung der Abt. S. Diese wurde in Folge des Review-2014-Prozesses des AA 2025 gegründet + erbrachte einen erheblichen Fähigkeitszuwachs auf den Feldern Krisenprävention, Stabilisierung, Friedensförderung, an denen es vor allem beim Afghanistaneinsatz eklatant gefehlt hatte. Soll es jetzt – parallel zur gravierenden Mittelsenkung für Humanitäre Hilfe – zu einem Rückbau von Fähigkeiten für Stabilisierung und strukturelle Friedensförderung kommen? Da ich das als Nichtinsider nicht zureichend beurteilen kann, erkundige ich mich bei Abt.-S-Erfahrenen.)

29.11. Ab ca. 20.00 bis 0:50 sehe ich mir auf Livestream die Außenpolitische Debatte der grünen Bundesdelegiertenkonferenz in Hannover an. Gastredner Ehud Olmert (isr. Ministerpräsident 2006-09), https://www.youtube.com/watch?v=XEkmF5PAgTk , und Nasser Ak-Kidwa (Außenminister der pal. Autonomiebehörde 2005-06), https://www.youtube.com/watch?v=y1JM2m8NNyQ ; Meron Mendel (Direktor Bildungsstätte Anne Frank): Er kenne keine Partei, die so differenziert, ausgewogen und empathisch die Debatte zu Nahost führe.  https://www.youtube.com/watch?v=y1JM2m8NNyQ

Einbringung des Buvo-Antrages durch Franziska Brantner.https://www.youtube.com/watch?v=XtB0JobvL5k . Zentrale Themen sind die russische Bedrohung, die sehr deutlich, incl. Hybrid, beschrieben wird, und der Unterstützungsbedarf für die Ukraine (mehrfach Forderung nach Taurus-Lieferung), die sehr deutlich beschrieben wird; Wehrdienst, Pflicht- und Freiwilligendienste (überwiegend gegen Pflicht, z.T. mit Bundeswehr-Zerrbild, einzelne Vorwürfe von „Kriegsvor-bereitung“ + „Kanonenfutter“-Vorwurf); Israel / Palästina.

Insgesamt 193 Änderungsanträge, wovon die allermeisten im Vorfeld verhandelt wurden (z.B. als modifizierte Übernahme in Leitantrag). Abstimmungen zu Antrag gegen „Zwangsdienste“ (Grüne Jugend), Gegenrede von Bundesvorsitzendem Felix Banazak („sind wir bereit, die Erfahrungen seit Februar 2022 auszubuchstabieren?“), bemerkenswert hohe Ablehnung der Anträge gegen Zwangs-dienste und gegen alle Waffenlieferungen an Israel. Die Fachleute der Fraktion setzen sich voll + gut mit gesetzten Reden und Gegenreden ein. Insgesamt ausgewogen, viele Reden klar + konsequent, aber wenig Auseinandersetzung mit Zweiflern an gegenwärtiger Sicherheitspolitik (z.B. bez. Mitdenken von Rüstungskontrolle); kein Wort zur Rückentwicklung von Ziviler Konfliktbearbeitung, die mal als vorrangig in grüner Friedenspolitik und Programmatik galt. Reden oft nach innen gerichtet, einiges an Selbstlob + Überheblichkeit.

01./02.12. Beirat Innere Führung des Verteidigungsministers (berufenes Mitglied seit 2010):

– Planungsbesprechung der von Kollegen R. Schubmann und mir geleiteten AG Betreuung, Fürsorge und Soziales

Stehempfang im Gästekasino des BMVg mit dem Abteilungsleiter Militärstrategie, Einsatz und Operationen im BMVg, Generalleutnant Gunter Schneider

02.12. 9.00 Uhr Vollsitzung des Beirats im BMVg:

– Berichte der AG: Bw in der Gesellschaft, Ad-hoc-AG Zivil-militärische Zusammenarbeit, Betreuung, Fürsorge + Soziales, Künstliche Intelligenz, Weiterentwicklung Innere Führung.

Austausch mit Verteidigungsminister Boris Pistorius (Anschließend erhalten die Mitglieder und auch das Ministerbüro meine Empfehlung des Buches „Für Euch würde ich kämpfen“ von Artur Weigandt mit Vorwort + Kapitel 9)

15.00 Zweites Interview mit einem Doktoranden zum Thema parlamentarische Kontrolle des Afghanistaneinsatzes bis 2014.

03.12. Hintergrundgespräch mit einem Journalisten zu einem Filmprojekt zu 25 Jahre 9/11 in 2026. Ich stelle ihm einiges Hintergrundmaterialien zur Verfügung.

05.12. Schüler-Demo in Münster gegen die Wehrpflicht anlässlich des bundesweiten „Schulstreiks“: Bei Schmuddelwetter versammeln sich ansehnliche rund 400 Schüler:innen am Servatiiplatz. Aufgerufen zu einem „Aktionstag gegen eine Wehrpflicht und die Militarisierung der Gesellschaft“ haben das Schüler-Bündnis „Schulstreik gegen Wehrpflicht am 5.12.“ ( https://schulstreikgegenwehrpflicht.com/ ), „Nein zur Wehrpflicht“ (linke Jugendverbände) und der Bundesausschuss Friedensratschlag (traditionalistisch-dogmatische, DKP-nahe Strömung der verbliebenen Friedensbewegung).

Der AUFRUF: „Wir sagen NEIN zur Wehrpflicht! NEIN zu allen Zwangsdiensten! Die Wehrpflicht soll wieder eingeführt werden. Zunächst als „freiwilliger Wehrdienst“, doch schon jetzt steht fest: Wenn sich nicht genug von uns melden, soll erst das Los entscheiden und dann kommt die Pflicht für alle. Es heißt, wir sollen für Deutschland Krieg führen können. Doch was ist eigentlich mit unserem Recht in Frieden zu leben und selbst zu entscheiden, wie wir unser Leben führen wollen? Was ist mit Artikel 4 Absatz 3 der Grundgesetzes, nach welchem niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen werden darf? Wir wollen nicht ein halbes Jahr unseres Lebens in Kasernen eingesperrt sein, zu Drill und Gehorsam erzogen werden und töten lernen. Krieg ist keine Zukunftsperspektive und zerstört unsere Lebensgrundlage.“

DEMOSPRÜCHE auf einem Handzettel der SDAJ (Jugendorganisation der DKP), die während des ganzen Zuges kräftig angestimmt und mitgerufen werden:

Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht! Unsere Zukunft ohne Wehrpflicht!

150 Milliarden für Bildung und Soziales!

Noch mehr Rüstung, noch mehr Waffen, werden keinen Frieden schaffen!

Streik in der Schule, Streik im Betrieb, das ist unsere Antwort auf eure Politik!

Hoch mit der Bildung, runter mit der Wehrpflicht!

Bei der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix!

In den Graben gehen wir nicht, nieder mit der Wehrpflicht!

Gegen Wehrpflicht, gegen Krieg – streiken bis der Frieden siegt!

Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“

Häufig ergänzt durch „Hoch die Internationale Solidarität!“ (Bei der traditionellen linken Parole kommt`s mir hoch. Denn heute wie sonst sehr oft geht sie mit gnadenloser Einäugigkeit einher. KEIN Wort der internationalen Solidarität mit den überfallenen und Tag für Tag terrorisierten Menschen in der Ukraine!)

Redner:innen der Landesschülervertretung NRW, ver.di-Jugend Münster, SDAJ Münster, linksjugend (´solid) u.a. Fahnen überwiegend von SDAJ und linksjugend (´solid) mit Hammer + Sichel, 1x DFG-VK, 1 x Pace, 1x Grüne Jugend Kaktus. Der Lautsprecherwagen wird von dem Alt-DKP`ler Ansgar Schmidt gefahren. (2022 hatte er ein Flugblatt der DKP Münster verantwortet, das den russischen Großangriff relativierte und den Westen zum Schuldigen machte.) Die Demo führt am Schlaun-Gymnasium, der Gesamtschule MS-Mitte und dem Paulinum vorbei. Anzeichen von Solidarisierung sehe ich nicht.

Der Tenor der Reden und Parolen: „Die entscheiden über unsere Zukunft, ohne uns zu fragen“; absoluter Vorrang der eigenen Freiheit – keine Frage, ob die Freiheit + Selbstbestimmung Deutschlands und seiner Bürger:innen insgesamt bedroht ist + gesichert werden muss; insgesamt dominiert eine Bedrohungsleugnung ggb. Russland, z.T. Vorwurf der westlichen (aggressiven) Kriegsvorbereitung. Die Ablehnung einer Wehrpflicht ist fundamentalistisch. Angesichts des Beifalls für die Nachricht, dass aus vielen europäischen Ländern Solidaritätsadressen eingetroffen seien, drängt sich mir die Frage auf, wie wohl die Reaktionen von Jugendverbänden im Baltikum, in Polen und Skandinavien wären. (Bericht folgt)

Der begleitende WN-Redakteur plant für Januar ein Streitgespräch zum Thema Wehrdienst, Pflicht- und Freiwilligendienste mit jungen Leuten, an dem auch ich teilnehmen soll.

06.12. Münsterland-Premiere des Films „Jetzt. Wohin.“ – Meine Reise mit Robert Habeck im Cineplex, Nachgespräch mit Robert Habeck, dem Regisseur Lars Jessens, der Neurowissenschaft-lerin Prof. Maren Urne, moderiert von Sarah Bosetti. (Deutlich wird dass der ungewöhnlich zuhörende + dialogische, anfangs erfolgreiche Ansatz von Robert Habeck angesichts einer massiv-feindlich agierenden Gegenkampagne nicht mehrheitsfähig war.

07.11. Andenken an Prof. Jörg Calließ, von 1979 bis 2006 Studienleiter in der Evangelischen Akademie Loccum für Internationale Politik & Beziehungen, auf Facebook und Linkedin. Er inspirierte, bereicherte und motivierte viele Menschen bei der Entwicklung neuer Friedens-fähigkeiten (Infrastruktur zivile Konfliktbearbeitung). Bei „seinen“ Tagungen brachte er Teilnehmer:innen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Ministerien und Militär mit ihren sehr unterschiedlichen Perspektiven zu konstruktivem Austausch zusammen. Jörg Calließ trug dazu bei, dass ich bei der Begleitung der deutschen Krisenengagements immer auf auch auf die zivilen + polizeilichen Komponenten achtete. Auf www.domainhafen.org der vollständige Nachruf der Akademie und Notizen von meiner ersten Calließ-Tagung. Gemeinsame Traueranzeige von Menschen aus der Friedensforschung und -arbeit am 6. Dezember in der Frankfurter Rundschau.

08.12. Virtuelle Sitzung der AG Gerechter Friede von Justitia et Pax

14.00 Uhr Trauerfeier und Beerdigung von Jörg Calließ im Kloster Loccum, sehr bewegende Ansprache von Pastorin Simone Schad-Smith für den „viel geachteten Historiker und Politik-wissenschaftler, Grenzgänger zwischen Transzendenz und Immanenz, zwischen Beruf und amilie, zwischen den Disziplinen. Einer, dem nichts wichtiger war als Menschen zusammen zu ringen und Trennendes zu überwinden.“ Ein Friedens(an)stifter, ein „wunderbarer Mensch“.

12.12. Vortrag „Friedenspolitik in kriegerischen Zeiten“ im gut besuchten Grünen Salon in Unna: Herzlich begrüßt von etlichen alten Bekannten referiere ich ca. eine Stunde foliengestützt zu a) sicherheitspolitischen Umbrüchen + Erfahrungslernen seit den 80er Jahren, b) zur gegenwärtigen Sicherheits- und Bedrohungslage v.a. in Europa, c) sicherheits- und friedenspolitische Konsequen-zen. Nachdenkliche Aussprache, beste Resonanz. Meine energiegeladene Vortragsart mache bei aller inhaltlichen Düsternis Hoffnung. Zum Dank bekomme ich eine Flasche „Grünkäppchen“-Sekt mit einem rührenden Etikett. ( https://gruene-unna.de/der-gruene-salon-friedenspolitik-in-kriegerischen-zeiten/ )

14.12. Gedenken an die Deportation von 390 Jüdinnen und Juden aus dem Münsterland am 13. Dezember 1941 in das Ghetto Riga an der Kreuzung Warendorfer Str. / Kaiser-Wilhelm-Ring. Hier stand zur Kriegszeit die Gaststätte Gertrudenhof, in deren Saal die Verhafteten zusammengepfercht und schikaniert wurden. Die allermeisten fielen den Haftbedingungen und vor allem Erschießungen zum Opfer. Kurze und eindringliche Reden des Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster, Pfarrer i.R. Martin Mußstroph, und des neuen Oberbürgermei-sters von Münster, Tilman Fuchs. Schülerinnen und Schüler der Mathilde-Anneke Gesamtschule zeigen ein Foto der Schülerinnen und Schüler der Jüdischen Volksschule in der Marks-Haindorf-Stiftung aus dem Jahr 1940. Ein Jahr später wurde 15 von ihnen nach Riga deportiert. Nur zwei überlebten. (Am 12. Dezember 1989 hielt ich erstmalig meinen Vortrag „Nachbarn von nebenan – verschollen in Riga“ in Münster. Nach fast 50 Jahren verdrängen + Vergessen war das der Auftakt zur Erinnerung an die Riga-Deportierten.)

12.00 Uhr Der FAZ-Redakteur Lorenz Hemicker zu seinem Buch “Mein Großvater, der Täter“, Gespräch und Lesung in der Villa ten Hompel, dem früheren Sitz des Chefs der Ordnungspolizei im Wehrkreis VI (zuständig für die Wachmannschaften für die Deportationszüge) und heutigem Geschichtsort. Der Großvater Ernst war im November 1941 im Stab des Höheren SS- und Polizeiführers Ostland Friedrich Jeckeln in Riga zuständig für die Planung vom Erschießungsgruben im Wald von Rumbula, wo am 30.11. und 8.12. mehr als 26.000 Rigaer Juden erschossen wurden – um „Platz zu schaffen“ für die angekündigten „Evakuierungszüge“. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelte gegen den Großvater wg. Beihilfe zum Mord in 25.000 Fällen.

Auf die Frage von Stefan Querl, Leiter der Villa ten Hompel, schildert der Gast, wie es überhaupt zu der Spurensuche Anfang der 2010 Jahre gekommen sei und wie sein Vater Peter vorher viele Jahre darunter gelitten hatte, wie abweisend Vater Ernst auf die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft reagiert hatte. Im Weiteren liest er einige Passagen aus dem Buch vor, einer Geschichte auf drei Ebenen: von Großvater Ernst, dessen Werdegang und Verbrechen, seinem Vater und der Spuren-suche des Enkels. Über den Zweitzeugen Lorenz Hemicker kommt das Großverbrechen des „Rigaer Blutsonntags“ und seiner Mittäter noch mal näher. Eine aufwühlend-aufklärerische Veranstaltung. Bericht über die Buchpremiere im Mai diesen Jahres auf https://domainhafen.org/2025/05/13/buchpremiere-mein-grossvater-der-taeter-von-lorenz-hemicker-im-gespraech-mit-prof-dr-carlo-masala-erinnern-fuer-die-gegenwart/ (In der Frühphase der Spurensuche hatte ich dem damaligen Redakteur des Reservistenmagazins „loyal“ einige wichtige Hinweise zum Judenmord in Riga und Überlebenden wie Alexander Bergmann und Margers Vestermanis geben können.)

15.12. Zoom-Besprechung des Vorbereitungsteams der Afghanistan-Tagung der Evang. Akademie Villigst zur Auswertung der letzten (39.) Tagung im Oktober.

16.12. Verschriftlichung meines Impulses zur Friedensdenkschrift der EKD, mit leichter Terminüberschreitung am 17.12. abgeschickt. Nicht mehr gehemmt durch meinen 15-Minuten-Zeitrahmen spreche ich jetzt mehr Aspekte an.

18.12. Zum Jahresende virtueller Stammtisch der AG Bundeswehr (mit zwei Neuen)

19.12. Tel. Hintergrundgespräch mit einer NDR-Redakteurin zu 25 Jahren 9/11 in 2026.

Besuch einer Spendenaktion für die Ukraine auf dem „X-MS“-Weihnachtsmarkt in Münster: In einer der „Ehrenamts-Hütten“ sammelt eine dreiköpfige Delegation aus Münsters Solidaritäts-partnerstadt Winnyzja Sach- und Geldspenden für Kinder aus der ukrainischen Stadt Balakliya und der umliegenden Region in der Oblast Charkiw, nur 50 km von der Frontlinie entfernt. In der Hütte können auch handgefertigte Produkte, traditionelle Motanka-Puppen und Gemälde junger Künstlerinnen erworben werden, deren Verkaufserlöse auch für Weihnachtsgeschenke für Kinder aus Balakliya verwandt werden.

19. + 20.12. Bummel über fünf der sechs Münsteraner Weihnachtsmärkte – ohne Zeit- und Kaufdruck vorbei an zahllosen Buden mit bunten + leckeren Angeboten, unter Menschenmassen, wo ich keinerlei unwilliges Drängen, keinen Konfliktmoment, viel Entspanntheit, Kommunikation, Lachen erlebe. Bläsergruppen, wo Menschen mitsummen. An der ältesten Kirche von Münster, Liebfrauen-Überwasser (14. Jhdt., Vorgänger 8. Jhdt.): Drinnen die künstlerische Installation zum Cityadvent 2025 „…UND DAS BÖSE WIRD NICHT SIEGEN“ ( https://www.cityadvent.de/ ): Ein ganz besonders bewegendes Erlebnis für Gläubige wie für viele Nichtgläubige. Im Trubel der Münsteraner Weihnachtsmärkte ein Ort der Besinnung, wo Dornen und Rosen, himmlische Hoffnungen und irdische Übel und Schmerzen aufeinanderpral-len. Bisher sahen sich über 150.000 Menschen diese künstlerische Installation an. (Seit 20 Jahren findet der Cityadvent mit einem anderen Thema statt.  https://www.facebook.com/winfried.nachtwei/?locale=de_DE ) Draußen am Rand des „Giebelhüüskesmarkt“ die „Jigger Bigger Band“ aus Enschede: eine furiose Bläserband, deren „Weihnachtsmännern“ ihre vielfältigen Stücke riesig Spaß machen und lauter frohe Gesichter zünden. So viel geballte, beglückende Friedlichkeit auf Erden habe ich selten erlebt.

24.12. Einstündiges Telefonat mit Margers Vestermanis, der am 18. September in Riga im Großen Saal des Jüdischen Gemeindehauses seinen 100. Geburtstag mit vier Generationen feiern konnte ( Bericht unter www.domainhafen.org ) und dabei sein Buch über die Judenretter im deutsch besetzten Lettland vorstellte: Der Ghetto- und KZ-Überlebende, ehemaliger Partisan, Historiker mit Veröffentlichungsverbot in sowjetischer Zeit, Gründer des Museums „Juden in Lettland“ 1991: „Ein Mann des Jahrhunderts. Er überlebte alle Feinde und Widersacher. Heute präsentiert er sein Hauptwerk „Die Menschlichkeit war doch nicht tot“ über die Judenretter in Lettland.“ (Facebook-Post) Die Resonanz auf die lettische Ausgabe sei sehr groß, es gab Leserversammlungen. Eine deutsche Ausgabe wird vom Auswärtigen Amt ermöglicht, eine russische folgt. Ich berichte ihm von der Gedenkveranstaltung am 14.12. an die Riga-Deportieren von 1941 und den Vortrag von Lorenz Hemicker über „Mein Großvater, der Täter“, wo seine unermüdliche Arbeit gegen das Vergessen hervorgehoben wurden. Ausführlich sprechen wir über die äußerst beunruhigende Sicherheitslage in Europa. Er hat die Naivität und Wehrlosigkeit der europäischen Staaten und Völker in den 30er Jahren gegenüber dem erkennbar aggressiven Nazi-Deutschland erlebt und die verheerenden Folgen durchlitten. (Seine ganze Familie und die allermeisten lettischen Juden wurden ermordet.) Er hat große Zweifel an der Wehrhaftigkeit der europäischen Völker und Staaten gegenüber der russischen Aggression, die auch auf das demokratische Europa zielt.

Die örtlichen Westfälischen Nachrichten berichten heute, dass das Deutsch-Niederländische Korps in Münster wahrscheinlich ein Hauptquartier für das Baltikum, stationiert in Estland, stellen soll. Ein Korpsstab kann bis zu 80.000 Soldaten aller Teilstreitkräfte führen.

28.12. „Kriegswunden seit Generationen – Spendensammlung für Kinder in Balakliya / Ukraine“: Text auf www.domainhafen.org zu Balakliya, Isjum, Kupjansk im Oblast Charkiw seit Februar 2022 im russischen Angriffskrieg und Anfang 1942 nach mehr als sechs Monaten des deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieges auf dem Boden der Ukraine. Erste sowjetischen Gegenoffen-siven gegen die Heeresgruppe Süd der Wehrmacht, die in die Zweite Schlacht bei Charkow und die Einkesselung von 14 sowjetischen Divisionen und 10 Panzerbrigaden mündete. Welche Rolle dabei die 16. Panzer-Division aus Münster spielte, ist auch in der Stadt des Westfälischen Friedens wenig bekannt. Fotos + Karten dazu auf www.facebook.com/winfried.nachtwei .

30.12. Neujahrs-Rundmail mit lageangepassten Wünschen + Blick über den Tellerrand nach Afghanistan: UNICEF-Foto „Lesen als Widerstand“, FAZ-Artikel „Millionen Afghanen hungern“, umso wichtiger Überlebenshilfen von unten, z.B. Afghanischer Frauenverein. (auf Facebook)

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