30 Jahre „LACHEN HELFEN e.V.“ – Initiative deutscher Soldaten + Polizisten in Kriegs- + Krisengebieten. 18 Jahre im erweiterten Vorstand

Bericht von der 30-Jahrfeier und der Vorstellung ermutigender Projekte, der Mitgliederversammlung + Erinnerungsstücke.

30 Jahre „Lachen Helfen e.V.“ – Initiative deutscher Soldaten und Polizisten in Kriegs- und Krisengebieten – 18 Jahre im erweiterten Vorstand,  Winfried Nachtwei, MdB a.D. (Mai 2026)

ANHANG:

– Stellungnahme zum Sinn von „Lachen Helfen“ nach Ende des Afghanistaneinsatzes, August 2021;

– Rocken für Lachen Helfen (mit Link zu Video)

– Festrede bei der Feierstunde „20 Jahren Lachen Helfen“, 02.09.2016

Am 9. Mai 2026 feierten Mitglieder und Unterstützer von Lachen Helfen in Düsseldorf auf dem Gelände der Bergischen Kaserne das 30-jährige Bestehen eines einzigartigen Vereins ( https://www.lachen-helfen.de/ ). Soldaten des deutschen IFOR-Kontingents hatten 1996 im kriegszerstörten und -zerrütteten Bosnien & Herzegowina in Eigeninitiative den Verein gegründet, um Hilfsprojekte für die Schwächsten, die Kinder, zu ermöglichen. 2009 schlossen sich Polizisten der Initiative an. In den 30 Jahren förderte Lachen Helfen viele Hundert Hilfsprojekte in über 20 Konfliktländern.

Die vorhergehende 28. Mitgliederversammlung wählte einen neuen geschäftsführenden Vorstand, erneut mit dem Vorsitzenden Generalleutnant a.D. Jürgen Knappe, und einen erweiterten Vorstand. Nach 18-jähriger Mitgliedschaft im erweiterten Vorstand kandidierte ich nicht wieder. (Meine Abschiedsworte weiter unten)

Zur Zeit unterstützt Lachen Helfen 16 Projekte in 11 Ländern:

– eine Schule in Balti/Moldawien

– ein Waisenhaus in Nigeria

– eine Grundschule in Jordanien

– eine Säuglingsstation im Dakar/Senegal

– das Helena-Center für körperbehinderte Kinder in Erbil/Irak und eine Waisenschule

– ein Theaterprojekt und ein Basketballprojekt in Vlaseinica / Bosnien & Herzegowina

– eine Secondary School und „Confident Children out of Conflict“ in Südsudan

– die Krebsabteilung der Universitätskinderklinik in Kaunas/Litauen und ein Kinderheim

– ein Traumatherapiezentrum im Kosovo

– die „Keep off the Street Foundation“ in Ghana

( https://www.lachen-helfen.de/hilfsprojekte/ )

Die 30-Jahrfeier fand im Freien unter strahlender Maisonne mit erfrischenden Getränken und herzhaften Speisen statt. Zu Beginn gestaltete der Leitende Militärdekan Michael Rohde eine kurze Andacht der anderen Art: Mit der Gitarre animierte er lebhaft und humorvoll seine vielfältig-mehr-oder-weniger-religiöse Gemeinde zum Mitsingen und Lächeln bei „Danke für diesen guten Morgen“ und „Wie ein Lachen, wie ein Vogelflug“.

Unser Vorsitzender Jürgen Knappe stellte die Projekte im Irak, Bosnien, Litauen Georgien und Ghana anschaulich vor und dankte den anwesenden „Projekt“-Soldatinnen und -Soldaten und -Polizistinnen und Polizisten herzlich unter kräftigem Beifall der Anwesenden für ihr enormes und ausdauerndes freiwilliges Engagement. Vier dieser Länder konnte ich im Rahmen meiner friedens- und sicherheitspolitischen Arbeit besuchen, angefangen in Bosnien 1996. Der Austausch mit der Soldatin, die das Theaterprojekt in Bosnien unterstützt, war für mich besonders spannend: Das interethnische Projekt hat die Integration und Inklusion von Kindern unterschiedlicher Herkunft und den Zusammenhalt unter Jugendlichen als Thema. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut wurden Theaterkurse (Impro-Theater) in zehn Schulen angestoßen. Auf diese Aufgabe der gesellschaftlichen „Entfeindung von unten“ war ich in Bosnien intensiv seit 1996 gestoßen. ( http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1408 , http://nachtwei.de/druck/druck%20Friedensarbeit%20auf%20dem%20Balkan.htm )

Ein Vertreter der Biker-Brummi-Hilfe (BBH) e.V. dankte Lachen Helfen für die ausgezeichnete Zusammenarbeit und Unterstützung bei ihren Hilfsgütertransporten nach Süd- und Osteuropa. Seit Gründung der BBH wurden über 200 Lkw-Ladungen mit Hilfsgütern gesammelt und begleitet von Motorrad fahrenden Mitglieder nach Osteuropa und auf den Balkan gebracht. Vor Ostern ging dr letzte Transport mit drei Lkw`s in die Ukraine. ( https://www.bb-hilfe.eu/ )

Wieder war es eine große Freude, etliche (ehemalige) Soldaten und Polizisten zu treffen, denen ich zuerst auf dem Balkan oder in Afghanistan begegnet war, und sich mit den kameradschaftlichen Lachen-Helferinnen und -Helfern auszutauschen. Großen Dank all denen, die in Deutschland und inKrisenländern anpacken und unterstützen – und das oftmals unter widrigen Umständen, aber mit langem Atem.

Meine Abschieds- und Dankesworte bei der Mitgliederversammlung (gegenüber dem gesprochenen Wort geglättet)

Vor 19 Jahren hatte mir Roderich Thien, der Mitbegründer von „Lachen Helfen“, die Initiative vorgestellt und mich sofort überzeugt. 18 Jahre durfte ich Mitglied im erweiterten Vorstand sein. Heute kandidiere ich nicht mehr: Nicht, weil ich gerade 80 Jahre geworden bin, mir die Puste ausgegangen wäre oder ich an „Lachen Helfen“ zweifeln würde. Der Grund sind veränderte Rahmenbedingungen und neue Aufgaben auf meiner Seite.

Seit 1994 habe ich die deutschen Auslandseinsätze intensiv begleitet, unterstützt und darüber berichtet. Dabei wurde mir der Sinn und die Leistung von „Lachen Helfen“ sehr deutlich: Die Not, das Elend, die Zerrüttung in den Nachkriegsländern, die Kinder, die Schwächsten als besonders Leidtragende. Und dann die Einstellung der Einsatzsoldaten, nicht auf die große Wirkung des Gesamteinsatzes zu warten, sondern freiwillig vor Ort aktiv zu werden, für die Schwächsten, die Kinder, direkt vor Ort etwas zu bewirken.

Seit dem Abbruch des Afghanistaneinsatzes und dem Rausschmiss aus Mai sind die Auslandsein-sätze der Bundeswehr stark geschrumpft, mit Afghanistan hatte ich zuletzt nur noch in der Enquete-Kommission zu tun. Aus Erfahrung mit Konfliktländer kann ich inzwischen nur noch wenig beitragen. Zugleich sind für mich neue Aufgaben dazu gekommen: Ukraine-Solidarität, Förderung von gesellschaftlicher Wehrhaftigkeit, Auseinandersetzung mit Propagandisten der Wehrlosigkeit.

Der Einsatz von und für „Lachen Helfen“ bleibt nicht nur notwendig. Er ist notwendiger denn je: Wo im Großen Autokraten gegen das Völkerrecht, die Menschenrechte und Mitmenschlichkeit wüten, ist humanitärer und Friedenseinsatz von unten elementar und notwendiger denn je. Unterstützung von Hoffnungsinseln und Hoffnungsträgern, die Hoffnung machen! (Von denen gibt es bei genauerem Hinsehen viel mehr, als durch die mediale Berichterstattung überkommt)

Ich danke Ihnen und Euch herzlich, dass ich die tolle Arbeit von „Lachen Helfen“ etwas unterstüt-zen konnte. Wir bleiben in Verbindung.

ANHANG

Sinn der Projekte von „Lachen Helfen“, der Initiative von Soldaten und Polizisten für Kinder in Krisen- und Kriegsgebieten. (August 2021)

Stellungnahme von Winfried Nachtwei zum Abbruch des internationalen Einsatzes in Afghanistan, https://www.lachen-helfen.de/2021/09/sinn-der-hilfe-in-afghanistan/

Am 31. August endet mit dem Abzug der letzten US-Soldaten nach fast 20 Jahren der Afghanistaneinsatz der NATO. Nach dem Zusammenbruch von Sicherheitskräften und Republik übernahmen die Taliban die Macht.

Haben damit alle Kinderhilfsprojekte von Lachen Helfen ihren Sinn verloren und waren sie völlig vergebens?

Nein, das trifft eindeutig nicht zu. Denn auch wenn Lachen-Helfen-Projekte im Zusammenhang mit Auslandseinsätzen deutscher Soldaten und Polizisten entstanden und betrieben wurden, so waren es keine Projekte mit politischer Zielsetzung, sondern humanitäre Projekte. Und deren Notwendigkeit und Wert richtet sich danach, wie sie hilfsbedürftigen Menschen, hier Kindern in Krisen- und Kriegsgebieten ganz praktisch helfen.

Wenn solche Projekte Dutzenden, gar Hunderten Kindern in Notlagen helfen – Waisen, Schülerinnen und Schülern, Kindern mit Gaumenspalten -. Ihnen ein schweres Leben etwas leichter machen, dann macht das Sinn und Hoffnung, ihnen und ihren Eltern. Es hilft tatsächlich Lachen.

So können wir das doch auch aus unserem Arbeits- und Privatleben, wo ausschlagge-bend ist, was wir an unserem Platz mit unseren Möglichkeiten schaffen und bewirken. Und das macht nicht erst dann Sinn, wenn es auch mit unserer Stadt, unserem Betrieb, unserer Schule, dem ganzen Land voran geht.

Hilfsprojekte können bei aller Notwendigkeit dann sinnlos und vergebens werden, wenn sie nicht mehr arbeiten können, wenn sie andauernd bedroht, überfallen und zerstört werden.

In den zurückliegenden Jahren gab es in Afghanistan immer mal wieder Attacken auf Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. (vgl. die regelmäßigen Zivilopferberichte von UNAMA) Generell zeigte sich aber, dass humanitäre Projekte, Schulen und Gesundheitsstationen am besten geschützt waren und erfolgreich arbeiten konnten, wenn sie gut in der örtlichen Bevölkerung verankert waren. Das galt auch für Gebiet unter Talibankontrolle. (Ich kenne eine Reihe solcher Projekte, die bisher ungestört arbeiten konnten.)

Die gute Verankerung in der örtlichen Bevölkerung ist meines Wissens ein selbstver-ständliches Qualitätsmerkmal von Lachen-Helfen-Projekten.

Kinderhilfsprojekte von Lachen Helfen sind tatsächlich Inseln der Hoffnung.

In Afghanistan haben sich die Rahmenbedingungen für die Menschen durch die Dürre, Corona, die Machtübernahme der Taliban für die Bevölkerung nochmal extrem verschlechtert. Schon vor einigen Monaten hieß es, die Zahl der Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, habe sich seit Anfang 2020 auf 18,4 Millionen verdoppelt.

Angesichts der galoppierenden humanitären Katastrophe sind Hoffnungsinseln wie die von Lachen Helfen und anderer Hilfsorganisationen notwendiger denn je. Sie mit Spenden zu unterstützen, macht ganz handfest Sinn.

Münster, Winfried Nachtwei, MdB a.D., Beirat Innere Führung, Initiative zur Rettung der afghanischen Ortskräfte (www.nachtwei.de , www.domainhafen.org (seit 01/2022)

Rocken für Lachen Helfen“ – 25 Jahre Einsatzrockband der Bundeswehr „Detonator & Friends“

Musik-Video (2:47 Min.) + Artikel  https://www.lachen-helfen.de/foerderer/rocken-fuer-lachen-helfen/

Die „Detonator & Friends“ wurden 1999 im Kosovo als Feldlagerband von Stabsfeldwebel Oliver Weist ins Leben gerufen. Dem Kampfmittelbeseitiger / Entschärfer „Bomben-Olli“ bin ich erstmalig im August 2003 in Kabul im Camp Warehouse bei der EOD/IOD-Vorführung „Aufspüren und Unschädlichmachen von konventionellen und unkonventionellen Kampf- und Sprengmitteln“ begegnet. Mit ihrer fetzigen Musik haben die Detonators als Coverband unter dem Motto „Rocken für Lachen Helfen“ lautstark, aber einfühlsam eine sechsstellige Summe an Spenden gesammelt und dem Verein Lachen Helfen gespendet. .

Feierstunde „20 Jahre Lachen Helfen“: Festrede von Winfried Nachtwei

am 2. September 2016 in der Waldkaserne Hilden http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&ptid=1&catid=29&aid=1425

Lachen Helfen“, die Initiative von deutschen Soldaten (ab 2009 auch mit Polizisten) für Kinder in Krisen- und Kriegsgebiete entstand 1996 unter Soldaten des deutschen IFOR-Kontingents in Bosnien & Herzegowina und Kroatien. Seitdem förderte „Lachen Helfen“ über 580 Einzelprojekte mit rund 3 Mio. Euro Spenden. ( www.lachen-helfen.de )Im März 2007 sprach mich der Vorsitzende Roderich Thien in Düsseldorf am Rande einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung an, schilderte mir die Arbeit des Vereins. Ich wurde Mitglied – und gehöre seit etlichen Jahren dem Vorstand von „Lachen Helfen“ an.

Die vielen Gäste der Feierstunde, unter ihnen auch Männer und Frauen der Gründungszeit, begrüßte der Vorsitzende Roderich Thien. Grußworte sprachen die Präsidentin des Landtages NRW, Carina Gödecke, MdL, der Parlamentarische Staatssekretär im BMI, Dr. Günter Krings, MdB, und Generalmajor Jürgen Knappe, Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr. Untermalt wurde die Feierstunde durch das Kammerensemble des Heeresmusikkorps Koblenz. (Ausführlicher Bericht von der Feier mit Fotos und Reden unter http://lachen-helfen.de/2016/09/2016_nachlese_20jahre/ )

Guten Tag, liebe Mitglieder, Unterstützer und Freunde von „Lachen helfen“.

Herzlich danke ich Ihnen, meinen Vorrednern, für Ihre Grußworte. Sie waren Rückenwind „von oben“. Die Begrüßung durch Roderich Thien machte deutlich, wie breit die Unterstützung für „Lachen Helfen“ ist. Ich freue mich, hier viele Soldaten und Polizisten zu sehen, die ich in Auslandseinsätzen kennen- und hoch schätzen gelernt habe. Zu Ihnen spreche ich als jemand, der an 70 Mandatsentscheidungen beteiligt war und damit Mitverantwortung für die deutschen Auslandseinsätze trug – und bis heute trägt.

Erste Begegnung

1996, vor 20 Jahren, entstand die Initiative, ja die Bewegung „Lachen Helfen“. Damals, Ende Oktober, besuchten wir mit einer Delegation meiner Fraktion und Partei das kriegszerstörte Bosnien. Mit dabei Joschka Fischer, Jürgen Trittin, Marieluise Beck. Viele von uns, auch ich, waren sehr skeptisch gegenüber den aufkommenden Auslandseinsätzen. Dann sahen wir die maßlosen Zerstörungen in Mostar, Sarajevo und auf dem Land. Am Hang über Sarajevo kam uns die dreijährige Belagerung der Stadt, von der wir die ganze Zeit über die Medien gewusst hatten, so nah wie nie zuvor: das Abschießen der Einwohner durch die serbischen Belagerer, insgesamt 10.000 Tote. Unausweichlich wurde jetzt die Erkenntnis: Es gibt Situationen, wo zum Schutz vor Massengewalt der Einsatz militärischer Gewalt notwendig, legitim und legal sei kann. Wie bei vielen Abgeordneten des Bundestages wuchs auch bei uns der Wille, dass es ein zweites Bosnien im Einflussbereich europäischer Politik nicht mehr geben darf.

In Trogir begegneten wir den Soldaten des deutschen IFOR-Kontingents unter General Riechmann. Wie überzeugend sie für Kriegsverhütung im UNO-Auftrag eintraten, war für manche unserer KDV`er überraschend. Beim Briefing kam auch eine enorme Hilfsaktion der Soldaten zur Sprache. Beteiligte berichteten mir in den letzten Tagen Genaueres:

Ende 1995 war ein Erkundungskommando des deutschen Kontingents der UN Protection Force (hier stellte die Bundeswehr Teile des Feldlazaretts in Trogir) in der kroatischen Krajina unterwegs. Sie sahen Erschütterndes. Besonders prägte sich ein das Bild eines an einem Fensterkreuz „erhängten“ Teddybär. Die Berichte der Soldaten löste ein Welle der Hilfe aus: In Trogir sammelten die Soldaten ihre Weihnachtspäckchen von Zuhause in einem Container und verteilten die Inhalte an Bedürftige. Angehörige und Kameraden an den Heimatstandorten wurden mobilisiert. Eine tolle Idee fand ein tolles Echo.

Das war die Vorgeschichte von „Lachen Helfen“.

Wiederbegegnungen

Im Dezember 2002 besuchten wir Obleute im Verteidigungsausschuss zusammen mit Minister Peter Struck das deutsche KFOR-Kontingent in Prizren. Berichtet wurde dabei auch über die zivil-militärische Zusammenarbeit der CIMIC-Kompanie und anderer Einheiten: zum Beispiel die Patenschaft einer Kompanie mit einem multiethnischen Kindergarten, die Organisation eines Fußballturniers für Jugendliche. CIMIC sei zum Aushängschild der Bundeswehr geworden, die dadurch auch einen besseren Draht zur Bevölkerung bekommen hätte. Ich erinnere mich noch sehr deutlich an die Begeisterung der berichtenden Soldaten, für die diese Projekte zugleich ein Feuer der Hoffnung waren.

Mein Eindruck war: Die Soldatinnen und Soldaten nahmen ihren Auftrag von Kriegsverhütung, Stabilisierung, Aufbauabsicherung ernst, begnügten sich aber nicht mit der professionellen Auftragserfüllung. Sondern engagierten sich freiwillig darüber hinaus:

  • für die Schwächsten, die Kinder,
  • für ihre Zukunft, also vor allem Bildung.

Viele Jahre lag in Afghanistan – neben dem Balkan – der Schwerpunkt des Engagements von „Lachen Helfen“. Bei bisher 18 Besuchen der deutschen Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfer erlebte ich plastisch den enormen Bedarf an Aufbauunterstützung – und nach einer zündenden Begegnung mit Roderich Thien in Düsseldorf („wurde gern Mitglied“ steht in meiner Notizkladde), was „Lachen helfen“ dort alles leistete: zum Beispiel die Ali Chapan High School in Mazar-e Sharif, ein Kindergarten im Police Training Center, Projekte in Badakhshan. Es waren begeisternde Besuche.

Unter den Machern von „Lachen helfen“ begegneten mir auch Polizisten, die mit einer Handvoll deutscher Kollegen in UNO-Missionen in Darfur, Südsudan und anderswo arbeiteten und sogar Hilfe organisierten ohne ein Kontingent im Rücken – zum Beispiel Polizeiobermeister der Bundespolizei Mario Schulz aus Stuttgart, der 2013/14 in Darfur eingesetzt war (vorher in Afghanistan und Kosovo).

Einwände

Zeitweilig gab es aus den Reihen einzelner ziviler Hilfsorganisationen Kritik, Bundeswehrsoldaten würden mit ihrer humanitären Hilfe in fremden Gefilden wildern. Sie sollten sich lieber um ihren Kernauftrag kümmern. Richtig ist, dass militärische und polizeiliche Kräfte im Auslandseinsatz keine humanitären Organisationen sind. Aber nichts sprich dagegen und vieles dafür, dass sich Soldaten und Polizisten im Auslandseinsatz über ihren Auftrag hinaus auch humanitär engagieren.

Die Satzung von „Lachen Helfen“ stellt ausdrücklich das Ziel klar, die humanitäre Hilfe bestehender Hilfsorganisationen vor Ort in den Bereichen zu ergänzen, die von ihnen nicht abgedeckt werden. Vorschläge für Hilfsprojekte kommen zum allergrößten Teil von den Soldaten und Polizisten vor Ort. Sie werden vom J9-Projektoffizier im Einsatzführungskommando bzw. zwei sehr erfahren Polizisten auf Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit geprüft. Man will Hilfe zur Selbsthilfe leisten und nicht Projektruinen produzieren. Dazu gehört auch die Abstimmung mit anderen zivilen Hilfsorganisationen, soweit solche vor Ort sind. Die Projektplanung und –durchführung läuft dann – so die durchgängige Beobachtung – unbürokratisch, schnell, sauber. Hauptmann Miller, seit vier Jahren hierfür beim Einsatzführungskommando zuständig: „Es macht Spaß!“

In Afghanistan wurden allein in den Jahren 2010/2011 24 größere Projekte realisiert. Das waren Jahre besonders intensiver Kämpfe auch im Norden, als hierzulande ganz Afghanistan unterschiedslos als Kriegsgebiet wahrgenommen wurde. Die vielen Projekte sind ein Hinweis darauf, dass Krisengebiete meistens „porös“ sind, Flickenteppiche von tatsächlichen Kriegsgebieten und Zonen relativer Sicherheit, wo viel mehr möglich ist, als gemeinhin gedacht wird.

Die Soldaten und Polizisten organisieren ihre Hilfsprojekte,

weil sie gebrauch werden,

weil sie helfen wollen,

weil sie direkte Wirkung erleben.

Für sie ist das keine Alibiveranstaltung, wo das schön „geschminkt“ werden soll, was politisch vielleicht zweifelhaft ist.

Wer an solchen Hilfsprojekten beteiligt war, erfährt aber umso mehr, wie notwendig – und schwierig – eine zivile Aufbauhilfe mit Breiten- und bleibender Wirkung ist.

Voraussetzungen

Dass Abertausende Kinder in Krisen- und Kriegsgebieten handfeste Gründe zum Lachen bekamen, ist vielen Menschen und ihrer hervorragenden Zusammenarbeit zu verdanken:

Den Anpackern in den Einsatzgebieten und Zuhause – unter ihnen besonders viele Reservisten;

den Vorgesetzten, Kommandeuren und Dienststellenleitern, die vieles ermöglichten und erleichterten;

den politischen Schirmherrschaften;

den Spendern;

dem phantastischen Vorsitzenden Roderich Thien, der – ich hab es selbst „zu spüren“ gekriegt – in hervorragender Weise Menschen anspricht, motiviert, organisiert – die Seele des Vereins „Lachen Helfen“.

Lachen Helfen“ hat mit den vielfältigen Aktivitäten des Spendensammelns hierzulande etwas ganz Seltenes geschafft:

– Es hat den üblichen und dominierenden Bad-News-Mechanismus durchbrochen;

– Gute Arbeiten und Leistungen so bekannt gemacht wie kaum jemand sonst.

Ein Vergleich: Im Rahmen deutscher Entwicklungszusammenarbeit wurden in Nordafghanistan vier Teacher Training Colleges und aktuell ein großes Berufsausbildungszentrum in Takhta Pul bei Mazar aufgebaut – alles Lichter unterm Scheffel.

Perspektiven

Die großen Einsatzgebiete Balkan und Afghanistan treten in der Arbeit von „Lachen Helfen“ zurück. Afghanistan vor allem wegen der verschlechterten Sicherheitslage. Nach vorne treten die vielen kleineren Einsätze, wie Nordirak, Sudan, Mali – vielleicht auch mal Syrien.

Zugleich sind die Anforderungen an humanitäre Hilfe weltweit doppelt gewachsen:

– Laut UN-Angaben ist der Bedarf an humanitärer Hilfe seit 2004 um fast 600% gestiegen;

– Humanitäre Helfer sind in zunehmend mehr Ländern gefährdet.

Gegenüber diesem Gebirge an Herausforderungen könnte man mutlos werden. Umso wichtiger ist der Blick auf die einzelne Schritte und Aktionen, die Lachen helfen, die zugleich auch Mut machen und Zuversicht geben.

Zum Zwanzigjährigen: Allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern von „Lachen Helfen“ meine ganz herzlichen Glückwünsche! „Lachen Helfen“ hat sich um Abertausende Kinder in Krisen- und Kriegsgebieten, aber auch um das Ansehen Deutschlands dort verdient gemacht.

Ich wünsche unserem Verein, dass er unter Bundeswehr- und Polizeiangehörigen noch bekannter wird und dass politisch Verantwortliche die Möglichkeit nutzen, bei Besuchen in Einsatzländer deutscher Soldaten und Polizisten auch Projekte von „Lachen Helfen“ aufzusuchen.

Sehr deutlich habe ich ein Bild vor Augen: Lachende Jungs in Ali Abad südlich Kunduz vor zehn Jahren. Ich weiß nicht, was aus ihnen geworden ist, ob welche bei den Aufständischen gelandet sind, ob sie noch leben …  Unsere Politik, wir Politiker tragen MITverantwortung dafür, dass den lachenden Kindern nicht später wieder das Lachen vergeht.

Nachbemerkung:

Nach der Feierstunde sprach ich mit einem Offizier, der ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe arbeitet. In den letzten Wochen hatte ich mehrere solche Begegnungen – darunter der Generalleutnant a.D. und ehemalige Befehlshaber des Einsatzführungskommandos Rainer L. Glatz: Er initiierte in Potsdam ein großes Benefizkonzert mit der Bigband der Bundeswehr für traumatisierte Kriegsflüchtige, insbesondere für unbegleitete Minderjährige, die im Ernst-von-Bergmann-Klinikum behandelt werden, und traumatisierte Bundeswehrsoldaten. Das Konzert am 6. September vor dem Brandenburger Tor fand beste Resonanz. (Bericht folgt)

Die Märkische Allgemeine Zeitung brachte ein Interview mit dem Chefarzt des Klinikums  http://www.maz-online.de/Brandenburg/Fluechtlinge/Potsdamer-Hilfe-fuer-traumatisierte-Fluechtlingskinder

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