Winni Nachtwei gehört zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Münster – und der grünen Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Frieden & Internationales auf Bundesebene.
Verleihung der „Silbernen Sonnenblume“ der Münsteraner Grünen an Winni Nachtwei bei der Kreismitgliederversammlung am 12. Mai 2026
Bericht unserer politischen Geschäftsführerin Sonja Völker von der Kreismitgliederversammlung zu „Ehrung und Dank“
„Unser ehemaliger Münsteraner Bundestagsabgeordneter Winni Nachtwei ist im April 80 Jahre alt geworden. In der Versammlung haben wir ihm für sein jahrzehntelanges politisches Engagement gedankt und ihn mit einer Silbernen Sonnenblume ausgezeichnet. Die Silberne Sonnenblume wurde damit in unserem Kreisverband zum vierten Mal vergeben. Wilhelm Breitenbach ging in seiner Rede ausführlich auf Winnis politischen Weg von der GEW über die Friedensbewegung zur Gründung der GRÜNEN ein. Von 1994 bis 2009 war Winni Abgeordneter im Bundestag. Sein umfangreiches friedens- und sicherheitspolitisches Engagement, für das Winni weit über unsere Partei hinaus große Anerkennung erfährt, setzte er auch danach weiter fort. Winni selbst machte deutlich: Angesichts der großen Bedrohungen, die er in seinem Leben in dieser Form noch nicht erlebt hat, wird er in diesem Engagement nicht nachlassen – der Ruhestand muss warten.“
Meine Replik (gegenüber dem gesprochenen Wort geglättet und etwas ergänzt)
Großen Dank für Wilhelms wohltuenden Worte, die Verleihung der Silbernen Sonnenblume und Euren sehr kräftigen Beifall. Es ist Eure Anerkennung für politische Langstrecke und langen Atem dabei. Beim Bohren dicker Bretter – und manchmal ganzer Stapel davon.
Schon bei meiner ersten Auszeichnung ging es um Langstrecke: 1966, vor 60 Jahren, für die Teilnahme am Internationalen Viertagemarsch (4×55 km) in Nijmegen. Vor 40 Jahren folgte dann meine zweite Auszeichnung: eine Verurteilung durch das Amtsgericht Münster wegen der Beteiligung an einer Sitzblockade vor dem I. Korps der Bundeswehr. Solche Urteile aus der Zeit der Friedensbewegung der 80er Jahre wurden zehn Jahre später vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben. Die heutige ist meine inzwischen 11. Auszeichnung.
Auf verschiedenen Langstrecken bin ich in meinem politischen Leben unterwegs:
Mit Friedens- und Sicherheitspolitik habe ich inzwischen seit mehr als 60 Jahren zu tun, kurvenreich aus verschiedenen, zum Teil gegensätzlichen Perspektiven.
Als Gründungsmitglied der GAL 1979 und dann des Grünen KV in Münster gehörte ich auch seit Anfang der 90er Jahre zur neuen Bundesarbeitsgemeinschaft Frieden & Internationales der Grünen Bundespartei. In ihr bin ich als seit Jahren kooptiertes Mitglied der letzte politisch „Überlebende“ der Gründungsjahre und Koordinator einer Unter-AG.
Gestartet mit einer Begegnungsreise der damaligen Friedens-AG der Münsteraner Grünen 1988 in das noch sowjetische Belarus wurden Spurensuche und Erinnerungsarbeit vor allem zum deutschen Vernichtungskrieg im Osten, zum „Reichsjudenghetto Riga“ und den Deportationen – u.a. aus dem Münsterland – dorthin, zu einem politischen Schwerpunkt. Seit 2000 unterstütze ich das von mir mitinitiierte Deutsche Riga Komitee mit seinen inzwischen über 80 Mitgliedsstädten.
Ungefähr genauso lange (seit dem ersten Bundeskongress Soziale Verteidigung 1988) sind Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und Friedensförderung für mich ein Schwerpunktthema, seit 1996 gehörte ich im Bundestag und außerparlamentarisch zu den Treibern dieses neuen Politikfeldes, beim 2005 gegründeten Beirat Zivile Krisenprävention arbeite ich von Anfang an mit. Parallel dazu habe ich seit 1996 intensiv die deutschen Beteiligungen an multinationalen, zivil-militärischen Krisenengagements begleitet (Balkan, Kongo, Afghanistan, UN-Friedensmissionen).
Im zivilen politischen Berlin bin ich einer der letzten, die seit Mitte der 90er Jahre an den verschiedenen Dimensionen des Internationalen Krisenmanagements dran sind. Angesichts der vielen friedens- und sicherheitspolitischen Umbrüche, mit denen die Grüne Partei – stellenweise äußerst schmerzhaft – konfrontiert war und zu denen wir Politik auch in Regierungsverantwortung entwickeln mussten, bemühe ich mich seit langem um selbstkritisches, völkerrechts-/ menschenrechts- und wirkungsorientiertes Erfahrungslernen.
Angebote
Am 21./22. Juni findet die 100. Landesdelegiertenversammlung der NRW-Grünen statt. Dort wird der Film „Wie alles anfing. Die Grünen in NRW – Interviews mit Aktiven aus der Gründerzeit“ uraufgeführt. Neben Bärbel Höhn, Michael Vesper, Christa Nickels u.a. gehöre auch ich zu den Interviewten. Anschließend können die Parteigliederungen auf die spannenden Einblicke in die Anfänge der NRW-Grünen zugreifen.
Gerne stehe ich für Informations- und Diskussionsveranstaltungen (mit Impuls oder Vortrag) zu folgenden Themen zur Verfügung:
– Friedenspolitik in kriegerischen / unsicheren Zeiten; Friedens- und sicherheitspolitische Umbrüche seit der Friedensbewegung der 80er Jahre – Bemühungen um Erfahrungslernen (zuletzt bei BAG Frieden & Internationales, Grünem Salon Unna, Markus-Gemeinde Münster)
– Irgendwas gelernt? Meine friedens- und sicherheitspolitischen Schlüsselerfahrungen auf kurvenreicher Langstrecke (beim Fest zu meiner 1946-2026-Langstrecke in Münster, AG Europa, Frieden, Internationales (EFI) in Münster)
– Die Bosnien-Reise von Grüner Partei- und Fraktionsspitze im Oktober 1996, vor 30 Jahren: Schlüsselerfahrungen und was daraus wurde, Bericht eines Zeitzeugen (etliche Grünen-Gliederungen)
– Nachbarn von nebenan – verschollen in Riga. Die Deportation jüdischer Menschen aus dem Raum Köln, Düsseldorf, Münsterland und Ruhrgebiet vor 85 Jahren (Ende 1941/Anfang 1942) in das „Reichsjudenghetto Riga“ (seit 1989 245 Vorträge dazu)
Ausblick
Inzwischen bin ich rechtlich seit 15 Jahren im „Ruhestand“. Beim Ausscheiden aus dem Bundestag 2009 sagte ich „ich mache weiter, aber anders“. So kam es. Ich wurde eine Art „freier Mitarbeiter im grünen friedens- und sicherheitspolitischen Außendienst“. Auf Bundesebene agiere ich in rund zehn Arbeitszusammenhängen, nur ein bis zwei davon bei Grün`s. Mit Übergang in das neunte Lebensjahrzehnt rückt die eigene Endlichkeit näher. Nun: Die Herausforderungen, ja Bedrohungen sind krass. Meine Power ist ungebrochen. Ich bilde mir ein, noch einiges konstruktiv beitragen zu können, vor allem zu Friedensfähigkeit und demokratischer Wehrhaftigkeit.
Da halte ich mich an den hundertjährigen Freund Margers Vestermanis in Riga, Ghetto- und KZ-Überlebender und Historiker. Telefonate, in denen wir uns über die so beunruhigenden Entwicklungen austauschen, schließt er immer wieder ab mit den Worten: „Wir kämpfen weiter! Weitermachen!“ So ist es.
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